Lieben heißt loslassen

Mir wurde früher oft gesagt, dass man um Tiere nicht weinen dürfe. Der Sinn darin wurzelte wohl in der Nutztierhaltung. Menschen, die ihre Tiere halten, um sie später zu schlachten, sollten keine persönliche Bindung aufbauen.

Doch unsere Hunde sind Haustiere. Wir leben mit ihnen auf engstem Raum zusammen. Sie sind Familienmitglieder und wenn unser Hund stirbt, bricht eine Welt zusammen. Unser ganzes Leben ändert sich von jetzt auf gleich und wir kommen nur sehr schwer damit klar.

Ich habe um alle meine Tiere geweint und viele Tränen vergossen. Jedes einzelne Tier ist fest in meinem Herzen verankert und es hat stets immer eine ganze Weile gedauert, bis ich mich auf neues Leben einlassen konnte.

 

  

Bis wir uns wiedersehen!

Haustiere begleiten uns für einen wunderbaren Lebensabschnitt und wenn sie gehen, tun sie dies genau zum richtigen Zeitpunkt. Jeder, der Tiere besitzt oder schon näher mit ihnen zu tun hatte, weiß, dass es dieses eine, ganz besondere Wesen, gibt. Allein der Gedanke daran, dass es irgendwann vorbei sein könnte, lässt uns verzweifeln. Bis zu diesem Moment gilt es sich voll und ganz dem Leben zu widmen und sich von der einzigartig ansteckenden Ausgelassenheit unserer tierischen Hausgenossen mitreißen zu lassen.

Wiedersehen

Wenn ein Hund in unser Leben tritt, möchten wir uns nicht vorstellen, dass er wieder gehen wird. Manchmal passiert dies jedoch viel schneller als gedacht. Doch selbst, wenn unser Lebensabschnittsgefährte ein gesegnetes Alter erreicht, fällt der Abschied unendlich schwer.

Wir sollten unsere eigenen Befindlichkeiten hintenanstellen, um unseren geliebten Vierbeiner die letzte Ehre zu erweisen. Wir müssen loslassen und unseren Hund gehen lassen.

Wir müssen den richtigen Zeitpunkt finden, um unseren Hund zu erlösen und ihm eventuell dabei zu helfen. Wir müssen erkennen, wann das Leid zu groß wird. Jeden Tag, den wir diese Entscheidung hinauszögern, warten wir lediglich für uns selbst und nähren unseren eigenen Egoismus.

Es ist der letzte große Liebesdienst, den wir unseren Vierbeinern erweisen können. Lieben heißt nicht nur Spaß und Freude, sondern auch loslassen können.

Rainer Maria Rilke

Rainer Maria Rilke schreibt:

„Wenn etwas uns fortgenommen wird,
womit wir tief und wunderbar zusammenhängen,
so ist viel von uns selber mit fortgenommen.
Gott aber will, dass wir uns wiederfinden,
reicher um das Verlorene und vermehrt um jenen unendlichen Schmerz.“
 

Ein wunderschöner und tief-berührender Text, der uns schmerzlich bewusst macht, dass das Leben endlich ist und Freude und Leid recht nah beieinander liegen.

Abschied

Meinen ersten großen Abschied musste ich vor 13 Jahren erleben. Mein geliebtes Pferd, mit dem ich 25 Jahre durch dick und dünn durchs Leben ging, erreichte ein stolzes Alter von 29 Jahren. Eine Nierenkrankheit machte ihm sehr zu schaffen und er verlor rasant an Gewicht und wurde zunehmend schwächer. Der einst so stolze Wallach, der stets die Führung in der Herde übernahm, wurde nun von den anderen Pferden gemobbt und stand traurig auf der Weide. Sein ständiger Durchfall ließen ihn wund werden. Ich versuchte alles und kontaktierte verschiedene Tierärzte und auch Heiler. Doch leider gab es keine Rettung und ich beschloss ihm in dieser schweren Zeit zu helfen und erlöste ihn. Natürlich war ich in seiner letzten Stunde bei ihm und streichelte ihn bis zum letzten Atemzug. Er vertraute mir und nahm den Tod ohne Angst an. Bis heute muss ich oft an ihn denken und bis heute bin ich nicht in der Lage, mich auf ein neues Pferd einzulassen. Er war immer für mich da, tröstete mich und lies meine Laune wieder durch seinen Schabernack steigen. Er ließ mich nie im Stich und ich erlebte mit ihm einzigartige Momente. Ich werde nie wieder so ein tolles Pferd besitzen und kein anderes Haustier kann ihn ersetzen.

Pferd

Mein zweites Haustier, was ich einschläfern lassen musste, war mein damals 2-jähriger Beaglerüde Jamie. Jamie litt unter einem Gehirntumor und die Schmerzen ließen ihn wahnsinnig werden und so erlöste ich ihn. Jamie war kein typischer Beagle-Rüde. Er hatte einen ausgeprägten „Will to please“ und sein Jagdtrieb ließ sich gut steuern. Ein toller, verschmuster und lebendiger Charakter. Ich kann mich noch gut an meinen damaligen, sehr einfühlsamen Tierarzt erinnern. Auch er konnte sich ein paar Tränen nicht unterdrücken.

Sterbehilfe

Es war für mich sehr schwer die beiden Tiere gehen zu lassen. Der eine war alt und der andere noch sehr jung. Doch ich hätte es niemals verantworten können, sie noch länger leiden zu lassen. Ich erwies ihnen die letzte Ehre und war sowohl zu Lebzeiten als auch im Tode für sie da.

Euthanasie

Euthanasie bedeutet aktive Sterbehilfe und ich bin sehr froh, dass unsere Tiere diesen Vorteil gegenüber uns Menschen haben. Wie schwierig es jedoch ist, die Entscheidung zur Tötung zu fällen, sehen wir an den vielen Diskussionen, die zu diesem Thema bereits geführt wurden und auch noch täglich stattfinden. Der Tod kann eine Erlösung sein und wenn es keine Rettung mehr gibt und wir durch Tabletten lediglich eine Verlängerung des Leidens erreichen, ist es Zeit loszulassen. Leidet ein Tier unerträglich und sind die Beschwerden weder allopathisch, noch naturheilkundlich zu behandeln, wird der mit chemischen Mitteln herbeigeführte Tod eine sichere Erlösung sein.

Oft fragte ich mich, ob ich wohl den richtigen Zeitpunkt erwischen werde, doch mein Herz wies mir stets den Weg und meine beiden Tiere zeigten mir genau an, wann sie gehen wollten.

Zeitpunkt 

Das Abschiednehmen von Haustieren berührt auf sehr vielen Gebieten. Unsere Gesellschaft vermeidet in wachsenden Bereichen die Konfrontation mit dem Älterwerden und dem Tod. Mit ihrer kürzeren Lebenserwartung zeigen uns Hunde die verschiedenen Lebensphasen im Zeitraffer und in ungeschminkter Wahrheit.

Wenn es keinen Ausweg mehr gibt und wir uns entschlossen haben, den Hund gehen zu lassen, kommen viele Tierärzte ins Haus, um den Abschied so angenehm wie möglich zu gestalten.

Den richtigen Zeitpunkt wird jeder Halter mit seinem Herzen erkennen, denn das Befinden geht über den Befund. Ein Hund kann katastrophale Befunde haben und trotzdem noch voller Lebensfreude stecken. Genauso kann es sein, dass die Krankheit eigentlich recht harmlos ist aber der Lebenswille, gerade im hohen Alter versiegt und der Hund zum Ausdruck bringt, dass er sterben möchte.

Lassen sie uns jeden Moment mit unseren Vierbeinern genießen. Sie sind für uns lediglich  Lebensabschnittsgefährten und gehen früher auf die Reise als wir. Darüber sollte sich Mensch beim Kauf bereits bewusst sein. Jedes Lebewesen hat es verdient, diese Welt in Würde zu verlassen. Wir haben immer die Wahl und sollten uns stets für das Wohl der Tiere entscheiden und es nicht im Stich und schon gar nicht allein lassen. Die richtige Entscheidung zur rechten Zeit ist es, worauf es ankommt. 

 

Marion Lindhof / Tierkommunikation

Weiterlesen klick hier: 

http://www.hunde-freude.de/index.php/blog1/193-tierkommunikation-sterbebegleitung

http://www.hunde-freude.de/index.php/tierkommunikation2